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Archiv für Februar, 2008

Reisetagebuch – II.

25.01.2008

Heute. Mitten in der Nacht aufstehen. *Muhar* alles voll Nebel da draußen. Der böse Nebel hat den schönen Stein gefressen.

Der William will schon recht zeitig unser Gepäck abholen. Obwohl Frau noch halb in Unterwäsche rumturnt. Essen fassen. Rein ins Auto. Abfahrt.

Ab nach Amboseli.
Über Stock und Stein. Immer geradeaus die nicht endenwollende Straße entlang. Nach jedem Hügel beginnt sie wieder von vorn … und täglich grüßt das Murmeltier.

Der Kilimandjaro ist unser Begleiter. Fast angekommen. Das Mittagessen wartet in der Ol-Tukai-Lodge, während wir vor zwei rivalisierenden Elefantenbullen stehen. Mitten auf der Straße. Wir bewegen uns nicht. Die Elefanten bewegen sich nicht. Langweilig. Also heißt es den Motor ein bisschen aufheulen lassen und dann mit durchdrehenden Reifen ab durch die Mitte zwischen den Elefanten durch.


Hier. Tierparadies. Überall!!!! Savanne wechselt sich mit fruchtbarster Landschaft und Sumpfgebieten ab. Auf den Millimeter genau. Nicht so wie man es in der Schule lernt. Von wegen sanfter und leichter Übergang der Landschaft. Ist alles eine Lüge!

Riesige Elefantenherden. Links. Rechts. Vorn. Hinten. Aussteigen. Anfassen. Los! Trau dich. Nein. Ist verboten. Auf in die Lodge.

Garten Eden gibt es wirklich. Vor dem eigenen Häuschen grasen Gnus, Zebras, Elefanten und anderes Getier. So lässt es sich aushalten. Drei kleine Drähte trennen uns voneinander. So winzig klein. Aber mit Strom! Endlich Mittagessen. Wuha! 4 Gänge. Wo soll all das Essen hin?

Rucksäckl schnüren. Ab gehts. Knips. Knips. Massaidorfbesichtigung. Die wohnen in Hütten aus Kuhdung. Wir auch. Aber nur knapp 5 Minuten. Beim traditionellen Begrüßungstanz hüpft auch der Axel durch die Gegend. Hüpf Axel hüpf. Über den ansässigen Markt der Massaifrauen schlendern wir nur widerwillig.



Giraffen, Leoparden Geparden [sagt der Axel], Gnus, Zebras, Büffel, Elefanten, Kraniche. *rattadatatt* *knirsch* Aaah! Debakel. Objektiv tot. Claudi traurig. Alles doof! Mäh.
Fotografieren mit Standardbrennweite. Sterben. Jetzt. Los. Irgendwann beruhigt sich die Lage. Gibts halt keine Bilder mehr. Für den Rest des Tages wird nur noch genossen. Ohne Knipsen. Die Elefantenbullen stehen immer noch wie angewurzelt. Wohlmöglich sind sie gar nicht echt.

Zurück von der Safari. Dusche. Huch, die Beine waren gar nicht braun gebrannt …

Schlendern durch den Garten Eden auf dem Weg zum Abendessen. Blick nach rechts. Nilpferd. Groß. Ganz nah am Zaun. Die eigene Muttersprache wird langsam aber sicher durch die englische verdrängt. Kann ja mal passieren.


Und seit wann heißt “OIL OF OLAZ” nur noch “OLAZ”?

Und wieso hat man immer noch sooo viel Appetit auf mehr von dem leckeren Abendbrotgebräu, obwohl man schon sooo satt ist? Wobei beim Anblick der momentan laufenden Fernsehsendung der Appetit sofort verfliegt. Dort wurden gerade noch im Ei befindliche, gefüllte Entenküken gegessen.

Senfgurken und anderes …

Sind Senfgurken eigentlich auch zu irgend etwas gut? Also – haben sie einen Nutzen? Oder machen die einfach nur so süchtig? Es könnte sein, dass sie Vergesslichkeit fördern. Dazu muss ich aber noch ein bisschen forschen und experimentieren…

Auf dem Heimweg begleiteten mich zwei kleine Mädchen. Vielleicht zwischen 7 und 9 Jahren alt. Eine gefühlte halbe Stunde unterhielten sie sich darüber, ob sie mich nun fragen sollen wie spät es ist oder lieber doch nicht. Die eine war sehr pflichtbewusst und wollte wissen, ob sie nun zu spät nach Hause kommen würde oder doch nicht. Schließlich mussten beide im “Schl*cker” ihres Vertrauens noch wichtige Einkäufe tätigen.
Ebenfalls auf dem Heimweg stiegen gerade eine Mutti und ihr Schulkindmädchen aus dem Auto. Sicher wurde sie gerade vom Hort abgeholt. Die Mutter war gerade dabei zu erklären, dass das Leben der Kleinen wohl mal noch viel härter werden würde und sie nicht so weich sein soll. Denn andere merken das und handeln dann dementsprechend. Irgendwas wurde weiter gemurmelt, das haben meine Ohren leider nicht mehr vernehmen können.

Hört hört.

Heute. Bekanntgabe des Diplomprüfungsdatums. Hua. 14. Mai.

Es ist kalt da draußen, furchtbar kalt. Frau sitzt allein zu Haus, ganz allein. An einem Freitag Nachmittag. Vielleicht sollte ich endlich das Buch “Unterwegs in Dresden – Da erlebt man was!” anfangen. Es verspricht immer dicker zu werden.

Allein heute morgen.
Anstatt 07:12 peilte Frau erst gegen 07:20 die Bushaltestelle an. Keine Menschenseele weit und breit. Das verunsichert einen natürlich gleich wieder, ob der ortsansässige Verkehrsverbund es heut verpasst hat, die Busse rauszulassen. Wenn irgendwann der Bus kommt, steigt man ein. Dann wird ein Buch rausgeholt und gehofft, dass sich bloß niemand neben einen setzt, neben dem man es nicht mehr als 5 Minuten aushalten würde. Es setzt sich zum Glück keiner hin. Statt dessen stellt sich eine als Bauarbeiter verkleidete Frau bzw. ein als Frau verkleideter Bauarbeiter neben einen und murmelt ständig, dass der Bus hier anhalten würde, weil da jemand einsteigt. Und warum der Bus denn jetzt nicht weiter fährt. Irgendwann verlassen aber alle einmal den Bus, so auch dieses etwas. Und irgendwann kommt auch die Haltestelle der BA. Bloß nicht vergessen auf Stop zu drücken um den Busfahrer über den eigenen Haltewunsch zu informieren. Und prompt sagt dieser doch, dass diese Haltestelle auf Grund einer Umleitung nicht bedient werden könne. Frau denkt sich, das ist ja mal wieder typisch. Ich kann die Haltestelle doch sehen. Fast schon anfassen. Das Haltestellenschild piekst mir quasi schon in den rechten Augapfel. Offenbar hat der angefressene Gesichtsausdruck aber sein übriges getan – Haltestelle kann wohl doch bedient werden. Warum nicht gleich so. Und zu allem Übel rieseln dann vor den Augen noch Schneeflocken – da pellt sich einem doch sofort die wunderbar gebräunte Haut ab.
Sonne und warm. Jetzt. Los.

Außerdem kann ich noch ein Buch empfehlen – “Eiersalat” von Helga M. Schneider [Amazon empfiehlt es sofort zu bestellen, da nur noch eins auf Lager ist.]
Es ist ein Lebensbericht von Helga Maria Schneider. Sie rechnet mit den Männern ab. In meinem Kopf hab ich ein genaues Bild von Helga. Sie ist sehr groß – schrankähnlich gebaut. Sehr kantig. Aber nicht zu vergleichen mit dem als Frau verkleidetem Bauarbeiter bzw. der als Bauarbeiter verkleideten Frau. Nein nein. Helga jedenfalls lebt wirklich. Und sie fährt auch mit der Linie 91.

Reisetagebuch – I.

22.01.2008

Zugfahrt nach Frankfurt(Main).
Sie verlief ohne besondere Vorkommnisse. Dazu wäre der Zug auch viel zu leer gewesen.
MrBaer war etwas wehmütig. Ich glaube er wäre lieber daheim geblieben.
Ankunft pünktlich am Flughafen. So groß der Flughafen und so klein die Claudi. Doch mit dem neuen orangenen Koffer konnte nichts schief gehen.
Axels Koffer wird nach der Reise zur Adoption frei gegeben – rollt nicht gut.

23.01.2008

Nachtflug. 8h. Claudis erster Flug.
Fliegen ist a) langweilig und wird b) völlig überbewertet und überschätzt.
Ein Haargummi ging leider verloren. Vielleicht freut sich ja der Finder drüber.
8Uhr (glaube ich). Ankunft in Mombasa nach einem kurzen Zwischenstopp in Tansania.
Aussteigen. Vor einer dicken Wand aus heißer Luft stehen. Gucken. Staunen. Freuen.
Wir sind da.

Das Gepäckband macht vorzeitig Feierabend. Zum Glück war Claudis Koffer schon da. Der große musste manuell abgeholt werden.
Nur ein Koffer darf mit auf Safari kommen. Wir haben aber zwei. Bingo. Dumm gelaufen. Umpacken. Koffer eins auf. Koffer zwei auf. Lauter Afrikanische Menschen sehen unsere Unterwäsche und unsere Lack- und Lederkleidung. Chaos erzeugen. Sachen bunt mischen. Koffer wieder zu. Horido.
“Hallo Safariführer”. Irre Wimpern der Mensch. Wahrscheinlich schon mit einer Wimpernzange in der Hand geboren. Verrückt. Name …. hm in Lautschrift [Tschabba]. Total lieb und unser Papa für 5 Tage.
Ab in den Bus. Bloß nicht zimperlich sein.

RamabZamba, RambaZambaZambaRamba. Aber auch normal geteerte. Bzw eine normal geteerte Straße.
Ankunft im Camp nach einer Fahrt mitten durch Mombasa und mitten durch den Busch. Haben für uns beschlossen, dass wir keine Stadtrundfahrt benötigen.
Das Camp. Ganz viel Hui ohne Pfui. Mitten in der afrikanischen Bilderbuchlandschaft. Mit Pool. Ein Traum. Schnell den Bikini auspacken und Temperaturtest machen. Hach. Wie daheim in der Badewanne. So verschmerzt man auch die polnisch oder tschechischen auf jeden Fall aber slawischen Mitreisenden, die Ohrenbluten verursachen. Aber nur ein bisschen.

24.01.2008

Safari. Nach wunderbarst toller Nacht.
Nebel liegt überall rum. Die Elefanten stehen früh auf wurde gesagt, also müssen wir das auch. Fällt aber total leicht. MrBaer bleibt im Camp.
Einstündige Fahrt. Tierlose Durststrecke im Tsavo Nationalpark. [im Notizbuch steht Nationaltag. Das war wohl ein Irrtum der Autorin. Schieben wir es auf das Jetlag und auf die damalige Position innerhalb des Universums.]
Wir geben uns zu Anfang mit einem Elefanten in riesiger Entfernung zufrieden. Auf dem Kameradisplay ist er trotz 300mm Objektiv nicht einmal 7mm groß. Selbst die ortsansässigen “Rehe” [Gazellen & Co.] und Vögel beeindrucken uns noch.
Doch dann. Ein Elefant nach dem anderen. Vor dem Auto. Direkt. Ha!
Löwen, Antilopen, 1001 Vögel. Groß. Klein.
1/8 Nilpferd in einem See. Zebras.
Tollst.
Abendliches Sonnenbaden mit unseren Freunden den Pavianen. Am letzten Abend im Rockside Camp gibts leckerstes Essen vom großen Grill. Sogar der Claudi mundet ein Rindfleischspieß. Danach hopp hopp ins Bett und noch schnell den Geckos Gute Nacht gesagt.

Wir sind zurück.

Deutschland hat uns wieder.
Claudi, Axel und Mr. Baer sind am 06.02. kurz nach 22 Uhr in der Herbststraße 3 gelandet. Gesund, munter nicht mehr ganz dolle und leicht gebräunt.